Von den Rosen

Von den Rosen

Endlich ist sie wieder da – die Rosenzeit! Eine nach der anderen beginnen sie zu blühen. Rosa, rot, weiß, gelb, pink, eine schöner wie die andere. Die Vielfalt der Blütenformen. Und dann das Beste, ihr Duft! Mhhhmm. So schön, so zärtlich, so überraschend überwältigend stark bei mancher von ihnen. In meinem Garten blüht rosarot die Gloria Dei, Ehre Gottes oder Ruhm Gottes auf Deutsch. Und noch ein paar andere mit klangvollen Namen. Einige Beetrosen, weiß und rosa, wunderbar duftend mit ihren kleinen Blüten.

Von den Rosen erzählt eine Geschichte über den Dichter Rainer Maria Rilke: „Gemeinsam mit einer jungen Französin kam er (Rilke) um die Mittagszeit an einem Platz vorbei, an dem eine Bettlerin saß, die um Geld anhielt. Ohne zu irgendeinem Geldgeber je aufzusehen, ohne eine anderes Zeichen des Bittens oder Dankens zu äußern, saß die Frau immer am gleichen Ort. Rilke gab nie etwas, seine Begleiterin gab häufig ein Geldstück.

Eines Tages fragte die Frau verwundert nach dem Grund, warum er nichts gebe, und Rilke gab zur Antwort: ‚Wir müssten ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand.‘ Wenige Tage später brachte Rilke eine eben aufgeblühte Rose mit, legte sie in die offene, abgezehrte Hand der Bettlerin und wollte weitergehen. Da geschah das Unerwartete: Die Bettlerin blickte auf, sah den Geber an, erhob sich mühsam von der Erde, tastete nach der Hand des fremden Mannes, küsste sie und ging mit der Rose davon.

Eine Woche lang war die Alte verschwunden, der Platz, an dem sie vorher gebettelt hatte, blieb leer. Vergeblich suchte die Begleiterin Rilkes eine Antwort darauf, wer wohl jetzt der Alten ein Almosen gebe. Nach acht Tages saß plötzlich die Bettlerin wieder wie früher am gewohnten Platz. Sie war stumm wie damals, wiederum nur ihre Dankbarkeit zeigend durch die ausgestreckte Hand. ‚Aber wovon hat sie denn all die Tage, da sie nichts erhielt, nur gelebt?‘ fragte die Französin. Rilke antwortete: ‚Von der Rose‘.“

Da sprach eine Rose mehr als alle anderen milden Gaben. Was die Rose der Bettlerin wohl erzählt hat? Vielleicht: „Guten Tag, Du Liebe, hier bin ich, Deine Rose. Wunderschön – und nur für Dich! Ich will Dein Herz erfreuen, Dein Leben hell machen und freundlich, will Dir neuen Mut schenken. Ich bin für Dich da – nur für Dich.“

Und ich höre die Rose, wie sie weiter spricht: „Atme all das aus, was Dein Leben so oft so schwer macht. Atme meine Schönheit ein, meinen Duft – so zart, so unaufdringlich und doch so betörend schnupperbar. Schau Dir meine Farben an: das Grün meiner Blätter, das zarte Rot meiner Blüte.“ Und habe die Bettlerin vor Augen, wie sie ihre Rose betrachtet, sie bewundert und genießt, schaut und schnuppert.

Und ich sehe die Bettlerin, wie sie ihre Rose berührt. Ganz vorsichtig. Sie ist ja so zart. Wie sie den Stiel ertastet. Mit den Dornen. Die scharf sind und stechen, die eine zum Bluten bringen, wenn sie nicht acht gibt. Die verletzen können. So wie ich und Du oft andere verletzen – und uns selbst. Wie sie die Blätter befühlt. Die Blätter, mit denen die Rose atmet. Fast wie Samt fühlen die sich an. Die Rose streckt ihre Blätter aus, so als ob sie ihr ihre Hand reicht, über alle Verletzungen hinweg.

Wie sie die Blüte berührt. Ganz fein und zart ist sie, voller Farbe. Wie sie duftet! Wie sie sich ihrer Rose zuwendet, diesem Zeichen, in dem die Schöpfung Gottes uns anschaut. Diesem Zeichen, verletzend und doch voller Ausstrahlung, scharfkantig und zärtlich. Wie sie ganz still wird, und eins mit ihrer Rose. Wie sie ihre Rose aufbewahrt, ins Wasser stellt, gut pflegt und behütet.

Und ich male mir aus, wie die Bettlerin sich an eine andere Rosengeschichte erinnert, an die vom kleinen Prinzen und seiner Rose. „Der kleine Prinz hatte auf seinem Planeten eine einzige Rose. Für diese Rose hatte er gesorgt und sie sehr lieb gewonnen. Nachdem er seine Rose wieder gesehen hatte, ging er zu den 5000 Rosen und sagte zu ihnen: ‚Ihr gleicht meiner Rose gar nicht, ihr seid noch nichts. Niemand hat sich euch vertraut gemacht und auch ihr habt euch niemandem vertraut gemacht.‘

Und er kam zum Fuchs zurück, der ihm erklärte: ‚Hier ist mein Geheimnis. Es ist ganz einfach. Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.‘ ‚Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar,‘ wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken. „Die Menschen haben das vergessen“, sagte der Fuchs.

Aber du darfst es nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich.‘“

Ob die Bettlerin wohl mit ihrer Rose gebetet hat? Vielleicht. Vielleicht so: „Du, Gott, Quelle allen Lebens, sorgst für mich. Dafür danke ich dir und bitte: für mich und für alle, dass unsere Liebe täglich neu aufblühe und wachse. Dass ich erlebe, meine Liebe und Hingabe werden wertgeschätzt. Dass ich so wie Du, liebe Rose, Wärme, Licht und Wasser zum Wachsen bekommst, Menschen begegne, die mich stützen, mir Geborgenheit schenken. Amen.“

Wunderbar gemacht

Wunderbar gemacht

,,Gott, ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin, wunderbar sind deine Werke.“ (Psalm 139,14) Wer der Mann oder die Frau war, der oder die diesen Satz, dieses Dankgebet ausgesprochen hat, ist nicht bekannt. Vielleicht ein schöner, kluger, gesunder und rundum erfolgreicher Mensch, mit allem Grund zur Dankbarkeit. Vielleicht aber auch ein Mann, im fortgeschrittenen Alter, mittlerweile mit Glatze und Problemen am Rücken. Oder eine Frau, die keine Kinder bekommen kann. Oder eine Jugendliche im Rollstuhl. Oder mit Legasthenie. Oder ein hyperaktives Kind, oder vielleicht ein dicker Junge.

,,Gott, ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin, wunderbar sind deine Werke.“ Das ist einer der schönsten und wichtigsten Sätze, die ich kenne. ,,Gott, ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin, wunderbar sind deine Werke.“ So, wie ich bin. Wunderbar gemacht. Und doch hat jede und jeder von uns etwas, was nicht ganz stimmt, was wir nicht hinkriegen, womit wir nicht zufrieden sind, was uns an uns nicht gefällt. Schwächen vielleicht oder Seiten an uns, die uns unser Leben lang zu schaffen machen, die wir an uns nicht mögen.

Und dann? Vielleicht kennen Sie solch ein Prisma aus Glas. Wenn die Sonne darauf scheint, dann tanzen überall im Zimmer kleine Regenbogen. Auf das Glas fällt Licht, und das Licht wird in allen Farben des Regenbogens sichtbar. Und so wie bei dem Glasprisma ist es auch bei uns. Von Gott her fällt ein Licht auf uns, und das lässt uns strahlen. In diesem göttlichen Licht leuchten wir und erkennen uns als etwas Wunderbares. Wunderbar gemacht. Ganz egal, wie perfekt oder fehlerlos ich bin. Egal, wie alt oder jung, wie klein oder groß. Das liegt einzig am Licht Gottes, das auf mich fällt. ,,Gott, ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin, wunderbar sind deine Werke.“ So, wie ich bin. Wunderbar gemacht.

Also eine Frage der Sicht, wie ich mit mir selbst umgehe. Vor allem, wie ich mit dem zurecht komme, was mir an mir selbst nicht gefällt. Dabei geht es nicht darum, zu mir selbst sagen: ab morgen denke ich positiv. Ab morgen stören mich meine abstehenden Ohren nicht mehr. Oder meine schiefen Zähne. So geht es nicht! Ich meine es eher so: für mein ganzes Leben ist es bedeutsam, ist es rettend, diesen Satz aus der Fülle meines Herzens zu sagen: ,,Gott, ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin!“ So, wie ich bin. Wunderbar gemacht.

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Morgens meine Augen aufmachen und das Licht des neuen Tages begrüßen. Die Stimmen der Vögel hören und auf meinen eigenen Füßen stehen und gehen. Neben allem Mich-Abmühen auch Freizeit und Ferien haben – große und kleine Inseln der Ruhe. Und mich in all diesen Wohltaten Gottes auch selbst als„wunderbar gemacht“ erkennen. „Gott, ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin!“ So, wie ich bin. Wunderbar gemacht.

Manchen mag das selbstgefällig klingen. Für mich ist es nichts anderes als die gelebte Gewissheit, dass ich mein Leben einmal aus Gottes Hand empfing, Gott, der mich wunderbar gemacht hat – mein einziger, mein wirklicher, starker Trost – im Leben und im Sterben. „Gott, ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin!“ So, wie ich bin. Wunderbar gemacht.

Ich wünsche uns allen, dass wir uns die Erlaubnis geben, diesen Satz nachzusprechen. Vor allem auch den Älteren unter uns. Nicht wenige Altgewordene machen ja die Erfahrung, dass mit dem Älterwerden so manche Quellen der Lebensfreude versiegen. Je älter wir werden, um so mehr Unabänderliches gibt es und an Verlusten tragen wir schwer. Und damit verbunden an kleinen oder großen Lebensängsten. Und trotzdem weiter diesen einen Satz laut sagen, als Ermutigung: „Gott, ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin!“ So, wie ich bin. Wunderbar gemacht.

Das weckt in uns die freundlichen und barmherzigen Stimmen. Und erinnert uns daran: über unser aller Leben steht ein liebevolles, unerschütterliches „Ja“. Wir leben davon, dieses lebensfreundliche „Ja“ zu hören. Dies „Ja“ zu sehen, zu schmecken und zu fühlen, zu kosten und in uns aufzunehmen. Bis dies „Ja“ unser innerster Besitz geworden ist, ja, ein Stück von uns selbst. Lasst uns staunen über Gottes Wohltaten, die auch in diesem Jahr die Lebendigkeit der Natur uns bringt. Lasst uns einstimmen in das Lob „Gott, ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin.“ So, wie ich bin. Wunderbar gemacht.

Wenn ich staune über mein Dasein, dann gehen mir diese Worte ganz leicht über die Lippen: „Gott, ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin!“ So, wie ich bin. Wunderbar gemacht. Der Psalmbeter spricht weiter: „Das erkennt meine Seele.“ Auch wenn meine Seele grad tieftraurig ist, voll Angst oder verzweifelt. Mitten in der tiefsten Traurigkeit zeigt sich Gott. Und ich fange an zu staunen über meine Lebendigkeit, mitten in der schmerzlichsten Trauer. Das allzu Selbstverständliche erscheint in einem neuen, warmen, heilenden Licht: „Gott, ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin!“ So, wie ich bin. Wunderbar gemacht.

fundevogel : Mascha Kaléko – Das Ende vom Lied

Das Ende vom Lied

Ich säh dich gern noch einmal, wie vor Jahren
Zum erstenmal. – Jetzt kann ich es nicht mehr.
Ich säh dich gern noch einmal wie vorher,
Als wir uns herrlich fremd und sonst nichts waren.

Ich hört dich gern noch einmal wieder fragen,
Wie jung ich sei … was ich des Abends tu –
Und später dann im kaumgebornen «Du»
Mir jene tausend Worte Liebe sagen.

Ich würde mich so gerne wieder sehnen,
Dich lange ansehn stumm und so verliebt –
Und wieder weinen, wenn du mich betrübt,
Die vielzuoft geweinten dummen Tränen.

– Das alles ist vorbei … Es ist zum Lachen!
Bist du ein andrer oder liegts an mir?
Vielleicht kann keiner von uns zwein dafür.
Man glaubt oft nicht, was ein paar Jahre machen.

Ich möchte wieder deine Briefe lesen,
Die Worte, die man liebend nur versteht.
Jedoch mir scheint, heut ist es schon zu spät.
Wie unbarmherzig ist das Wort: «Gewesen!»

BERTOLT BRECHT – Lob der Dialektik

BERTOLT BRECHT – Lob der Dialektik

Das Unrecht geht heute einher mit sicherem Schritt.
Die Unterdrücker richten sich ein auf zehntausend Jahre.
Die Gewalt versichert: So, wie es ist, bleibt es.
Keine Stimme ertönt außer der Stimme der Herrschenden.
Und auf den Märkten sagt die Ausbeutung laut:
Jetzt beginne ich erst.
Aber von den Unterdrückten sagen viele jetzt:
Was wir wollen, geht niemals.
Wer noch lebt, sage nicht: niemals!
Das Sichere ist nicht sicher.
So, wie es ist, bleibt es nicht.
Wenn die Herrschenden gesprochen haben,
Werden die Beherrschten sprechen.
Wer wagt zu sagen: niemals?
An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? An uns.
An wem liegt es, wenn sie zerbrochen wird?
Ebenfalls an uns.
Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich!
Wer verloren ist, kämpfe!
Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?
Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen,
Und aus Niemals wird: Heute noch!

fundevogel : langes spiel – lose enden | versspielerin

„… langgewachsenes gras im kopf“

finde auch ich reichlich bei mir,

schmerzende harte verklebte knoten dabei,

wohltuende zarte mitfühlende fädchen auch

und feinste tragende liebe gespinste –

so weich.

verssprünge

schritt für schritt
löse ich
(langgewachsenes gras im kopf)
verknotete fäden
einer kindheit manche
sind zu fest gezurrt
manche verborgen andere
lassen sich entwirren
und verknüpfen sich
neu

©diana jahr 2021

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Feuriger Pfingstbrief

Feuriger Pfingstbrief

„Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und auf jede und jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Da wurden sie alle von heiliger Geistkraft erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden; wie die Geistkraft es ihnen eingab, redeten sie frei heraus.“ (Apg 2,3-4 BigS)

„Einer hat uns angesteckt mit der Flamme der Liebe! Einer hat uns aufgeweckt – und das Feuer scheint hell.“ So singt es in mir. Feuriges Lied aus meiner Jugend. Gehört, gelernt und gesungen auf dem Kirchentag in Nürnberg 1977. Pfingstlich rot. Voll Liebe. Voll entflammt. Voll heiliger Geistkraft. Atem Gottes. Atem des Lebens. Ruach, Gottes Geist, der über der Welt liegt vom Anbeginn der Schöpfung bis auf den heutigen Tag.

Genauso feurig diese alten Choralzeilen: „O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.“ Jedes Jahr gesungen – an Pfingsten und bei der Konfirmation, unmittelbar vor der Segnung. Ja, komm, heilige Geistkraft! Brenne in uns, atme in uns!

„Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und auf jede und jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Da wurden sie alle von heiliger Geistkraft erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden; wie die Geistkraft es ihnen eingab, redeten sie frei heraus.“ Frauen und Männer spüren Feuer-Zungen. Werden lichterloh entflammt. Das Feuer steckt an, es brennt – immer mehr. Sie verstehen einander. Sehen mit dem Herzen. Reden frei und ungeschützt. Vertrauen blüht auf. Blicken einander an, voll Liebe.

Wieder singt es in mir: „Einer hat uns angesteckt mit der Flamme der Liebe! Einer hat uns aufgeweckt und das Feuer brennt hell. Wer sich selbst verliert, wird das Leben finden, wer die Freiheit spürt, kann sich selber finden.“ Den Traurigen, Zweifelnden, Verzweifelten gilt die Verheißung, das Reich der von-Gott-geschenkten-Freiheit, von
Geburt an.

„Einer hat uns angesteckt mit der Flamme der Liebe! Einer hat uns aufgeweckt und das Feuer brennt hell. Wer die Armut spürt, wird im Reichtum leben, wer von Herzen brennt, kann sich andern geben.“ Den Armen, Schwachen, Kleinen gilt die Verheißung, das Reich des Einander-Liebe-Schenkens, einfach so.

„Einer hat uns angesteckt mit der Flamme der Liebe! Einer hat uns aufgeweckt und das Feuer brennt hell. Wer betroffen ist, wird das Wort neu sagen, wer sich selbst vergisst, kann auch Lasten tragen.“ Den Anteilnehmenden, Mitfühlenden, Mitleidenden gilt die Verheißung, das Reich des Miteinander-Teilens, ohne Falsch.

„Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und auf jede und jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Da wurden sie alle von heiliger Geistkraft erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden; wie die Geistkraft es ihnen eingab, redeten sie frei heraus.“

Heilige Geistkraft. Atem Gottes, Atem des Lebens. Oder auch biblisch, hebräisch: Ruach, Gottes Geist, Gottes Atem, der über der Welt liegt, vom Anbeginn der Schöpfung bis auf den heutigen Tag. So, wie dies Lied in mir singt: „Gott gab uns Atem, damit wir leben.“ Und manchmal singt feurig und pfingstlich: „Gott gab uns Atem, damit wir lieben.“

Wie damals ist unsere Bitte heute: Komm, Ruach, heilige Geistkraft, Feuer vom Himmel, entflammende Kraft. Befeuere unsere Müdigkeit, entzünde unsere Herzen, lass uns brennen, mit der Flamme der Liebe. Flammen-Kraft, bring Licht und Leben, in die Welt. Gib uns Atem, damit wir lieben:

Die Liebe schweigt, hört den Bedrängten zu.
Die Liebe wird laut, protestiert gegen Unrecht und Zwang..
Die Liebe hört nicht auf zu fragen, auch wenn es wehtut.
Die Liebe ist offen für die Erfahrungen der andern.
Die Liebe hat ein weites Herz.

Die Liebe erkennt, was Menschen trennt.
Die Liebe entlarvt die falschen Unterschiede, von Mächtigen ausgedacht.
Die Liebe freut sich, wenn die Stimmen der Leisen lauter werden.
Die Liebe fordert nichts, was sie selbst nicht befolgt.
Die Liebe hat ein weites Herz.

Die Liebe ist sich ihrer Blickrichtung bewusst.
Die Liebe entschuldigt sich. Von selbst.
Die Liebe ist unbequem. Eckt auch mal an.
Die Liebe brennt auch mal vor Ungeduld.
Die Liebe hat ein weites Herz.

Die Liebe höret nimmer auf.

„… was durch den Propheten Joel gesagt ist: Sein wird’s in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich von meiner Geistkraft ausgießen auf alle Welt, dass eure Söhne und eure Töchter prophetisch reden, eure jungen Leute Visionen schauen und eure Alten Träume träumen.“ (Apg 2,16-17 BigS)

fundevogel : Heim – Mein Vater hieß Erich Honecker | Menschensammlerin

Heim.

 

Mein Vater hieß

Erich Honecker.

Meine Mutter hieß

Margot Honecker.

 

Mein zu Hause war die DDR.

 

Sagte sie wie etwas,

das sie lange auswendig gelernt hat.

 

Vor meinem inneren Auge

sitzt ein kleines Mädchen

mit Zöpfen und kariertem Rock

unter den Bildnissen der Honeckers

an einem kargen Tisch.

Kein trautes Heim.

 

Ich war böse.

Ich war das böse Mädchen.

Ich war ein Staatsfeind.

Ich war 10 Jahre alt und ein Staatsfeind.

Ich war ein Feind.

Ich war ein Kind.

Ein Kind ohne Kindheit.

Ein Kind mit Schmerzen.

Ein Kind ohne Eltern.

 

Ein Kinderheim nach dem anderen.

Erst normale Kinderheime.

Aber ich war zu böse.

Dann kam ich in ein Spezialheim.

In ein Erziehungsheim.

In einen Werkhof.

In eine Psychiatrie.

In den Knast.

Knast für Kinder.

 

Was man dort überall mit bösen Kindern machte?

 

Erziehungspläne.

Umerziehung.

Zu einer sozialistischen Persönlichkeit.

Mit Erziehungsmaßnahmen.

 

An der Wand stehen.

An der Wand stehen und die Arme hochhalten

An der Wand stehen und zur Wand sehen.

An der Wand stehen und die Arme verschränken.

Mit verbundenen Augen an der Wand stehen.

 

Kalte Dusche.

Schwere Arbeit.

Essensentzug.

Kein Spielzeug.

Keine Bücher.

Schläge.

Dunkelzelle.

Spritzen.

Arrestloch.

Vergewaltigungen.

Missbrauch.

Anfassen.

Nackt sein.

Stacheldraht.

Handfesseln.

Sport bis zum Umfallen.

Peitschen.

Isoliertsein.

 

Manche verschwanden einfach.

Meine Haut kannte alle Farben.

 

Ich war böse.

Ich schrie.

Ich wehrte mich.

Ich schützte die Kleinen.

Ich flüchtete.

Ich spuckte.

Ich flüchtete wieder.

Ich schmiss Steine.

Ich malte mit Marmelade auf den nackten Boden auf dem ich lag.

Ich hörte mein Herz noch schlagen.

Ich hatte keine Angst mehr.

Ich war egal.

Mir war alles egal.

Ich würde überleben.

Meinen Namen würden sie nicht auslöschen.

Das haben sie nicht geschafft.

Ich habe einen Namen.

Ich lebe.

Aber alle Schläge leben ebenso noch.

Alles.

 

Und du? Du glaubst an Gott, ja?

Fragt sie interessiert.

Mein kleiner Pappengel wirkt lächerlich auf dem Krankenhausnachttisch.

 

Aber sie ist nicht gerne alleine.

 

(Kommentar: Immer wieder begegnen mir Menschen mit traumatischen Erfahrungen in DDR-Erziehungsanstalten. Wie Gisela. Sie hat mir viel davon erzählt und ein Buch darüber geschrieben.)

Quelle: Menschensammlerin

NEUES LIED: Du bist ein Gott, der mir nah ist.

Du bist ein Gott, der mich anschaut.
Du bist die Liebe, die Würde gibt.
Du bist ein Gott, der mich achtet.
Du bist die Mutter, die liebt. Du bist die Mutter, die liebt.

(aus freitöne, No. 1, Liederbuch zum Reformationssommer)

heute neu dazu erdichtet:

Du bist ein Gott, der mir zuspricht.
Du bist die Liebe, die zu mir hält.
Du bist ein Gott, der mich frei macht.
Du bist die Mutter, die liebt. Du bist die Mutter, die liebt.

Du bist ein Gott, der mir zuhört.
Du bist die Liebe, die mich erhört.
Du bist ein Gott, der mich stark macht.
Du bist die Mutter, die liebt. Du bist die Mutter, die liebt.

1 Du kommst mir nah, Lebendige, du.
Zärtlich und freundlich machst du mir Mut.
Schickst mich ins Leben voll Zuversicht,
nimmst mir die Angst und begleitest mich.

Du bist ein Gott, der mir nah ist.
Du bist die Liebe, die Wärme schenkt.
Du bist ein Gott, der mich tröstet.
Du bist die Mutter, die liebt. Du bist die Mutter, die liebt.

2 Du bleibst mir treu, Lebendige, du.
Geborgen und sicher in deiner Hut.
Dein Engel beschützt und begleitet mich,
hält mich im Arm und behütet mich.

Du bist ein Gott, der mich segnet.
Du bist die Liebe, die mich berührt.
Du bist ein Gott, der mir Mut macht.
Du bist die Mutter, die liebt. Du bist die Mutter, die liebt.

Wir wollen wieder tanzen / Danser encore deutsch

Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn
Oh nein, oh nein, oh nein, oh
Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn
Wir sind nicht so leicht zu spalten
sind nicht für was sie uns halten
Wir werden nichts versprechen
Wir wollen uns nicht rächen
Wir wollen nur das Schweigen brechen

Und jeden Abend im TV
erklärt die Königin genau
das sollt ihr denken
Doch wir lassen uns nicht lenken
Das kann sie sich ruhig schenken

Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn
Oh nein, oh nein, oh nein, oh
Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn

Regeln machen uns zum Depp
Totaler Blödsinn auf Rezept
wehe wenn du noch denken kannst
wehe wenn du noch draußen tanzt
wenn du dich nicht brav verschanzt

Verordnung hin Verordnung her
gar keine Sicherheiten mehr
Selbstvertrauen erschüttern
doch wir werden nicht zittern
und unsre Herzen nicht verbittern

Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn
Oh nein, oh nein, oh nein, oh
Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn

Wir lassen uns nicht überzeugen,
uns nicht von der Lüge beugen
die uns doch nur in Angst versetzt
die uns in den Wahnsinn hetzt
Unsere Seele die bleibt unverletzt

Unser Geist bleibt heil und frei
und wir singen noch dabei
zeigen Lächeln, zeigen Fantasie
und eines das sind wir nie
einfach nur euer Arbeitsvieh

Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn
Oh nein, oh nein, oh nein, oh
Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn