fundevogel : Fantasie über die Ankunft der Toten – eine Übung für Trauerreden | unglaeubiges staunen

Habe es einfach probiert, und imaginiert, und dann vor der Aussegnung am Ende diesen kleinen Text gesprochen:

„Nana ist gestorben.
Nun sitzt sie bei Gott,
an der großen Festtafel,
neben ihr ihr Nunu
und all ihre anderen Lieben,
nach denen sie sich so gesehnt hat.
Einen Fensterplatz hat sie
da am Tisch bei Gott –
so hat sie uns und Euch und Sie alle
weiter gut im Blick
und passt auf.

Gerade eben,
als wir gesungen haben,
da war sie ganz gerührt
bei unserm Gesang:
So nimm denn meine Hände
und führe mich
bis an mein selig Ende und ewiglich!
Ich mag allein nicht gehen
nicht einen Schritt;
wo Du wirst geh’n und stehen, da nimm mich mit!

Und Nanas Seele spürt:
Ja,
so ist es gut,
jetzt, hier bei Gott –
in der Ewigkeit.
Angekommen
an der großen Festtafel.
Mit all den Lieben.
Und einem großartigen Fensterplatz.

Ja,
ihre Seele ist jetzt angekommen,
angekommen bei Gott,
feiert schon
das Fest der Auferstehung.

Gott blickt sie liebevoll an,
bleibt ihr treu,
erweist ihr seine Liebe,
die so viel größer,
so viel wärmer und tiefer ist,
als wir uns das
vorstellen können.“

ungläubiges staunen

Fantasie über die Ankunft der Toten – als Hilfe zur Bestattungs-Predigt

Kirchliche Menschen, die bestatten, sprechen öfter über das, was vermutlich nach dem Tod gilt. Sie sagen z.B., Verstorbene seien bei Gott gut aufgehoben, Verkehrtes werde zurechtgerückt, am Ende stehe die Auferstehung ins Haus. Das Wort oder der Topos ‚Auferstehungshoffnung‘ wird gern bemüht. Das sind dogmatische Traditions-Standards der kirchlichen Rede. Kaum ein normal halb- oder unkirchlicher Mensch versteht noch, was das meint, weil kaum noch jemand in der dogmatischen Terminologie zuhause ist. Sie sagen dann auf Nachfrage: „Sag sowas ruhig, solche Formeln, das gehört offenbar zum Code der Kirchlichen. Du wirst sicher bezahlt, damit du das sagst. Es ist ok und stört mich nicht. Aber denk nicht, dass ich das verstehe.“ (O-Ton aus einem Bestattungsseminar mit der Resonanz eingeladener Kirchenferner). Die nicht zur Kirche gehören sind bald und oft schon jetzt die Mehrheit. Daher der Versuch Sprache zu finden, die…

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Da kommt noch was! | Blogaktion des Totenhemd-Blog

Da kommt noch was! | Blogaktion des Totenhemd-Blog

Als Meisterin in Prokrastination bzw. Aufschieberitis wird mein Beitrag erst am Ende der deadline fertig.
Heute morgen in der Matsche-Natur-Fango geschrieben. Gerade eben in die Tastatur gehackt und prompt veröffentlicht.

Eingeladen wurde in der Februar-Blogaktion zu den Fragen

  • Wie stelle ich mir das Leben nach dem Tod vor?
  • Was kommt nach dem Tod?
  • Welcher Gedanke, welches Bild tröstet mich?

XKH223061
Wie stelle ich mir das Leben nach dem Tod vor?

Halle, hallejua, wir werden auferstehn!

Wir = ich bin nicht allein!

Meine Seele kehrt zurück in ihr Nest.

Geborgenheit in Gottes Armen – wie in den Armen (m)einer Mutter.

Ewiger Friede wird sein.

Vielleicht darf/möchte/will/muss meine Seele noch einmal inkarnieren, also neu zur Welt gekommen?

Es wird licht um mich sein und dunkel zugleich.

Alle Farben sind da, das ganze Spektrum – Regenbogenbunt – Friede!

XKH223061

Was kommt nach dem Tod? – Ein Alphabet

Ausgeatmet – Angekommen – Ankunft – Advent

Buntes

Christa, Christus, Christiane, Christoph

Dunkelheit

Entspannung

Freude (ewige), Frieden (ewiger)

Glück(seligkeit)

Himmelfahrt

Jenseits

Keine Ahnungen

Losgelassen

Mehr als ich glaube/n kann.

Nichts – und alles!

Ofen aus/an

Prickelndes

Quatsch (nich)

Ruhe

Seelenfrieden

Tanzerei

Unirdisch, gar unterirdisch, etwa überirdisch?!

Versetzt nach

Weiß nicht

X-mal selig

Yogisch fliegend

Ziel erreicht!

XKH223061

Welcher Gedanke / welches Bild tröstet mich?

Ich erzähle gern das Gleichnis von Sterben und Geburt: vielleicht liegen Geburt und Tod tatsächlich näher beieinander, als wir denken. Nah und unterschiedlich sind sie. Eine jüdische

Lebensweisheit lautet: „Wenn ein Mensch geboren wird, hat er die Hände zusammengeballt, so, als wolle sie/er sagen: Welt, ich bin da! Ich will anpacken, was auf mich zukommt. Ich erobere die Welt – ich werde sie ergreifen und festhalten!

Wenn ein Mensch stirbt, dann sind die Hände ausgestreckt, so, als wolle er/sie sagen: Welt, ich kann dich loslassen, ich brauche nichts mehr festzuhalten.“

Auch ein Kind, das geboren wird, geht in eine Welt, die es nicht kennt. Wenn man mit einem Kind kurz vor der Geburt sprechen könnte – ich denke, da wäre viel Angst vor dem Unbekannten, das vor ihm liegt. Angst, Unsicherheit, Neugier.

Und wenn wir es dann beruhigen wollten, dass eine ganz neue, helle und freundliche Welt auf es wartet – es würde uns wahrscheinlich nur schwer verstehen – denn all das kennt es ja – noch – nicht.

Beim Sterben stelle ich mir das ähnlich vor.

Auch da kennen wir die Welt nicht, die vor uns liegt, in die wir gehen. Wir haben nur Ahnungen, Vorstellungen und innere Bilder, wie es wohl sein könnte.

Aber wenn Geburt und Tod einander ähnlich sind, wenn beide den Weg in eine neue Welt eröffnen – warum nicht auch so, dass wir mit dem Tod in einer ganz anderen, hellen und guten Welt ankommen?“

Der Apostel Paulus schreibt davon: „Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.“ (1. Kor 13,10+12)

XKH223061

Auferstehung – was kommt dann?

Auferstehung ist …

… ein Geheimnis des Glauben

… eine heiße Verheißung

… eine sehr tröstliche Vorstelllung

… ein wunderbarer, wärmender Gedanke, der tröstet und heilt

Auferstehung beginnt im Leben!

Hier und jetzt!

Auferstehung erlebe ich schon hier, jetzt, immer wieder – einmal.

Halle-, halleluja, wir werden auferstehn!

XKH223061

fundevogel : Diözesanempfang 2019 – Vortrag von Prof. Dr. Harald Lesch | Meine Erlebnisse im Altenheim

„Was hat die Natur noch mit uns zu tun? Die Zeichen stehen auf Sturm!“,

Professor Dr. Harald Lesch, Astrophysiker

Meine Erlebnisse im Altenheim

„Was hat die Natur noch mit uns zu tun? Die Zeichen stehen auf Sturm!“, versucht Professor Dr. Harald Lesch, Astrophysiker, mit seinem Vortrag beim Neujahrsempfang der katholischen Kirche uns wach zu rütteln und zum Nachdenken anzuregen.

Hört euch den Vortrag selber an:

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fundevogel : Stille … | Arno von Rosen

Berührende Worte der Trauer und des Abschieds, liebevolles Gedenken – danke!

Arno von Rosen

Am Freitag den 22. Februar war es so weit. Wir haben Uwe Johann zu Grabe getragen. Ich habe Bilder gemacht, um mich auch in Zukunft an den Schmerz, die Anteilnahme und die Umstände erinnern zu können. Auf der langen Autofahrt zurück, sind mir diese Zeilen dazu eingefallen. Ich wünsche euch Gesundheit, Glück und viele sonnige Momente im Leben ❤

Stille

Ein weißblauer Himmel wird grau,
und Tränen fließen wie Perlen;
ertränken Seele, Herz und Geist.

Jeder Schritt eine schwere Last,
Füße tragen dunkle gebeugte Trauer,
und Vögel verkünden ihr Klagelied.

Eine Mauer schniefenden Schweigens,
steht dort und hört die Stille,
und tonlos sind die Gespräche.

Unser Farbtupfer verließ die Erde,
und wurde wieder zu jener,
abgeschirmt in sonnenlosem Gefäß.

Rosenblätter fallen dort hinab,
wo keiner nimmer wiederkehrt,
letzte Gesten für ein halbes Leben.

Vater, wo bist Du jetzt?
Bruder, Du fehlst uns so!
Freund, wir werden Dich vermissen!

Und doch…

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fundevogel : Petra: Tot ist tot! Oder doch nicht? Nur ein kurzer Moment …. | totenhemd-blog

Das ist ja mal eine wunderschöne Idee 🙂
2 Minuten S T I L L E
Der SEELE R a u m geben …

DANKE

Totenhemd-Blog

img_0695.jpgWas kommt danach? Wie stelle ich mir mein Leben nach dem Tod vor?
Das sind die Fragen unserer spontanen Februar-Blogaktion.

Ich denke, wenn ich sterbe dann bin ich tot. Da ist nichts mehr. Wenn ich sterbe, dann stirbt mein Körper. Alles von und in ihm wird sterben und tot sein. Es wird kein Sehnen und keine Schmerzen mehr geben. Da ist nichts. Das denke ich so seitdem ich das Interview mit einem bekannten Chirurg und Neurologen gelesen habe. Ausgehend von unserem Körper so wie er angelegt ist, wird da Nichts mehr sein, behauptet er einleuchtend.

Tot ist tot!
Tot ist tot?

Ich habe aber ein Bild und eine Idee wie es sein könnte für eine kurze Weile nach dem Tod. Wenn die Trauerfeier für mich stattfinden wird, dann bin ich fest davon überzeugt, dass ich „irgendwie“ anwesend sein werde (sein will 😉 ). Ich werde als Hauch DA sein. Annegret…

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fundevogel : Auslaufmodell: Krieg | Arno von Rosen

JA

„Bleibt abzuwarten, wann wir alle die Schnauze so voll davon haben, dass wir ebenfalls Freitags unserer Arsch hochkriegen, damit unsere Kinder und Enkel nicht das ausbaden müssen, wobei wir oft nur zugesehen haben.“

Arno von Rosen

Frankreich. Somme. Die Männer springen aus ihren Schützengräben und laufen auf die Deutschen Soldaten zu. Bedingungsloser Angriff lautete der Befehl ihrer Kommandeure. Die Französischen Soldaten werden vom Dauerfeuer Deutscher Maschinengewehre niedergemetzelt, da ein Rückzug keine Option für die Militärführung der „Grand Nation“ ist. So sterben in nur 4 Tagen 175.000 Soldaten, soviele, wie an der gesamten Schlacht bei Waterloo teilgenommen haben. Dies war nur eines der vielen Gemetzel des 1. Weltkrieges, an dem 36 Staaten beteiligt waren, 8,5 Millionen Soldaten ihr Leben verloren und nochmal 20 Millionen an der Spanischen Grippe starben, weil die Nahrung knapp wurde und Medikamente rar waren. 200 Milliarden Euro kostete der Krieg und nochmal 30 Milliarden an wirtschaftlichen Ausfällen im Anschluss. Erst 92 Jahre nach Kriegsende wird Deutschland die letzten Reparations-Zahlungen geleistet haben. Übrigens. In diesem Krieg wurden das erste mal Psychiater eingesetzt, nicht nur wegen der traumatischen Erlebnisse, sondern weil sich viele Soldaten selbst…

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Das Phänomen – Hanns Dieter Huesch

Nach wie vor hochaktuell:

 

DAS PHÄNOMEN

Was ist das für ein Phänomen / Fast kaum zu hören kaum zu sehn
Ganz früh schon fängt es in uns an / Das ist das Raffinierte dran
Als Kind hat man's noch nicht gefühlt / Hat noch mit allen schön gespielt
Das Dreirad hat man sich geteilt / Und niemand hat deshalb geheult
Doch dann hieß es von oben her / Mit dem da spielst du jetzt nicht mehr
Das möcht ich nicht noch einmal sehn / Was ist das für ein Phänomen

Und ist man größer macht man's auch / Das scheint ein alter Menschenbrauch
Nur weil ein andrer anders spricht / Und hat ein anderes Gesicht
Und wenn man's noch so harmlos meint / Das ist das Anfangsbild vom Feind
Er passt mir nicht er liegt mir nicht / Das ist das nicht und find ihn schlicht

Geschmacklos und hat keinen Grips / Und ausserdem sein bunter Schlips
Dann setzt sich in Bewegung leis / Der Hochmut und der Teufelskreis
Und sagt man was dagegen mal / Dann heisst's: Wer ist denn hier normal
Ich oder er du oder ich / Ich find den Typen widerlich

Und wenn du einen Penner siehst / Der sich sein Brot vom Dreck aufliest
Dann sagt ein Mann zu seiner Frau / Guck dir den Schmierfink an die Sau
Verwahrlost bis zum dorthinaus / Ja früher warf man die gleich raus
Und heute muss ich sie ernähr'n / Und unsereins darf sich nicht wehr'n

Und auch die Gastarbeiterpest / Der letzte Rest vom Menschenrest
Die sollt man alle das tät gut / Spießruten laufen lassen bis auf's Blut
Das hamwer doch schon mal gehört / Da hat man die gleich streng verhört
Verfolgt gehetzt und für und für / Ins Lager reingepfercht und hier

Hat man sie dann erschlagen all / Die Kinder mal auf jeden Fall
Die hatten keinem was getan / Was ist das für ein Größenwahn
Das lodert auf im Handumdrehn / Und ist auf einmal Weltgeschehn
Denn plötzlich steht an jedenm Haus / Die Juden und Zigeuner raus

Nur weil kein Mensch derselbe ist / Und weiß und schwarz und gelbe ist
Wird er verbrannt ob Frau ob Mann / Und das fängt schon von klein auf an
Und wenn ihr heute Dreirad fahrt / Ihr Sterblichen noch klein und zart
Es ist doch eure schönste Zeit / voll Phantasie und Kindlichkeit

Lasst keinen kommen der da sagt / Dass ihm dein Spielfreund nicht behagt
Dann stellt euch vor das Türkenkind / dass ihm kein Leids und Tränen sind
Dann nehmt euch alle an die Hand / Und nehmt auch den der nicht erkannt
Dass früh schon in uns allen brennt / Das was man den Faschismus nennt
Nur wenn wir eins sind überall / Dann gibt es keinen neuen Fall
Von Auschwitz bis nach Buchenwald / Und wer's nicht spürt der merkt es bald

Nur wenn wir in uns alle sehn / Besiegen wir das Phänomen
Nur wenn wir alle in uns sind / Fliegt keine Asche mehr im Wind

 

Quelle: http://hüsch.org/html/dasphaenomen.html
Anzuhören auf: http://hüsch.org/html/starportrait.html

Huesch starportrait LP

 

 

 

 

ANDERE ACHTEN – Gegen das Vergessen – zu Phil 2,3-4 – am 27. Januar 2019, Gedenktag der Befreiung von Auschwitz in 1945

Meine Predigt vom Volkstrauertag 2007, gehalten am 18. November in der Klosterkirche Vechta.

 

PREDIGT

Liebe Gemeinde, ausnahmsweise haben Sie alle unseren Predigttext direkt vor Augen – er ist in der Liederzeitung mit abgedruckt Da steht, wie der Apostel Paulus an die Christen in Philippi schreibt:

3 Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst,

4 und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. (Phil 2,3-4)

In Demut achte einer den andern höher als sich selbst – diesem Teilvers ist das Thema unseres Gottesdienstes entnommen: andere achten!

Das klingt – jedenfalls in meinen Ohren – ganz leicht, ganz einfach: andere achten – na klar, das ist doch selbstverständlich, das ist doch normal … andere achten – natürlich tue ich das!

Gestern hieß es in Vechta wieder – wie schon am 1. Mai diesen Jahres: Bunt statt braun! Viele sind aufgestanden gestern gegen die Kundgebung der NPD … sicherlich auch, weil die Neonazis eben nicht andere achten“,  sondern die, die anders sind als sie, am besten gleich ver-achten!

Andere achten – also doch nicht so normal, so natürlich, so selbstverständlich?

Noch etwas von gestern – aus unserer Kirchengemeinde: mit 20 Konfirmanden und einigen Ehrenamtlichen waren wir gestern unterwegs – nach Hamburg … und wie in jedem Jahr, führte uns unsere Fahrt nicht in die City oder auf die Reeperbahn, sondern an 2 Gedenkstätten in Hamburg für die Opfer der Nationalsozialismus.  Wir besuchten eine ehemalige Schule, in der nur wenige Tage vor Kriegsende 20 jüdische Kinder, an denen zuvor medizinische Experimente vorgenommen worden waren, nebst ihren Pflegern ermordet wurden … um alle lebenden Beweise für dieses menschen-ver-achtende Handeln vor dem Eintreffen der Engländer zu vernichten.

20 jüdische Kinder, denen gesagt wurde: Ihr werdet jetzt geimpft und dann fahrt ihr nach Hause – und stattdessen bekamen sie Morphium gespritzt, um sie schläfrig zu machen und wurden erhängt … und weil die Kinder für diese Tötungsmethode des Erhängens viel zu leicht waren, hängten sich ihre Henker an die kleinen Kinderkörper, damit sich die Schlingen überhaupt zuzogen …. andere achten?

Im ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme erfuhren die Konfirmanden, wie die Lagerinsassen konsequent nicht ge-achtet wurden … schon bei ihrer Ankunft im Lager wurden den Häftlingen aus ganz Europa  ihre Würde genommen: all ihre Körperhaare und Kopfhaare wurden abrasiert … sie bekamen einheitliche Häftlingskleidung versehen mit einem farbigen Abzeichen … einem Winkel:

grün bekamen die rechtskräftig verurteilten Schwerverbrecher,

rot die politischen Gefangenen,

braun die Sinti und Roma, die Zigeuner,

schwarz die sogenannten Asozialen

rosa die Homosexuellen …

dazu kam das Nationalitäten-Kennzeichen,

etwa ein P für Polen

oder ein B für Belgien,

und dann die Häftlingsnummer …

So verloren die Häftlinge schon bei ihrer Ankunft im Konzentrationslager ihren Namen, ihre Würde, ihre Identität … ihre Achtung!

Andere miss-achten, andere ver-achten … so funktionierte dieses Konzentrationslager!

Die SS, die dieses Lager leitete, verachtete alle Lagerinsassen … die mit dem grünen Winkel, die rechtskräftig verurteilten Schwerverbrecher, standen in der Lager-Rangordnung ganz oben, über denen mit dem roten Winkel, den Politischen … und die mit dem schwarzen Winkel, die Asozialen … das waren zum Beispiel die Obdachlosen, die Behinderten, die lesbischen Frauen und die mit dem rosa Winkel, die Homosexuellen, die standen ganz unten in der Lager-Hierarchie …

Allen wurde die Würde genommen, die Achtung, der Respekt vor dem Individuum … die Achtung als Mensch!

Den anderen achten – liebe Gemeinde, sicher haben Sie gemerkt, dass eben nicht normal ist, natürlich … oder gar selbstverständlich! Jedem Mitmenschen Menschenwürde, Achtung zu zuerkennen … das fällt auch Christenmenschen manchmal schwer! Andere so sein lassen, wie sie sind. Nicht andauernd verän­dern wollen. Sondern den Menschen, das Gegenüber, so an­nehmen, wie er, wie sie ist ist, wie Gott ihn oder sie geschaffen hat.

Warum fällt uns das manchmal nur so schwer?

Macht es Angst, Andere oder Anderes zu erleben, Fremdem ins Auge zu sehen? Achtung vor anderen haben ist eine not­wendige Bedingung für das Gelingen von Prozessen des Friedens, der Gerechtigkeit und der Versöhnung. Wenn ich Andere und Anderes, mir Fremdes achte, dann schließt das jede Art von Rassismus und Extremismus grundlegend aus – auch daran sollten wir uns heute erinnern.

Wer einen an­deren Menschen, egal welcher Religion, Konfession, Hautfar­be, Ethnie, Nationalität, Kultur oder auch nur Meinung nicht achtet, nur weil dieser anderer Religion, Konfession, Hautfar­be, Ethnie, Nationalität, Kultur oder Meinung ist, kann sich meines Erachtens nicht guten Gewissens Christin oder Christ nennen.

Andere achten heißt: sie so zu akzeptieren und zu lieben, wie Gott sie geschaffen hat. Und den Versuch machen, zu verstehen, was Gott mit dem Anderen und seiner Andersartigkeit der Welt sagen will. Also: Anderes ist keine Bedrohung. Anderes ist eine Bereicherung.

Paulus ermahnt und kritisiert die Haltung von Gemeindemitgliedern, die er als eigennützig, selbstsüchtig, ehrgeizig oder gar eitel, prahlerisch und machtgierig beschreibt. Da wollten wohl einige „Die Ersten sein“. Dagegen setzt Paulus die Aufforderung: Lasst Demut walten! Paulus fordert die Gemeindemitglieder zu Bescheiden­heit, Selbstbescheidung, ja – Demut heraus. Niemand soll sich als etwas Besseres sehen, sondern sich zurücknehmen, wo es nötig ist, damit auch andere Beachtung finden und die Hilfe und Fürsorge erhalten, die ihnen zusteht.

Paulus fordert auf: Ändert den Blickwinkel! Nicht die eigenen Interessen oder der eigene Vorteil sollen das Tun und Denken bestimmen. Ja, Paulus erteilt dem Blick auf den eigenen Vorteil sogar eine sehr deutliche Absage.

Denn in dem Abschnitt, der sich an den heute gehörten Abschnitt an­schließt, heißt es: Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.“

Im Geist dieser Worte demütig zu sein bedeutet: Gott Gott sein zu lassen und nicht selber Gott spielen zu wollen. Sich nicht zu erheben über andere. Andere zu achten! Sich in diesem Sinne füreinander zurücknehmen können.

Und das ist kein frommes „Sich selbst klein machen“, sondern im Gegenteil: Das ist menschliche Größe, die dem Vertrauen in Gott selbst entspringt. Dabei hat unsere Achtung nicht jedem Denken und Tun zu gelten. Es ist nicht unsere Aufgabe, allem mit absoluter Toleranz zu begegnen. Das hat Jesus auch nicht getan. Einer intoleranten Haltung kann ich als toleranter Mensch nur mit Intoleranz begegnen.

Darum in Vechta: Bunt statt braun! Gemeinsam gegen die Neonazis!

Aber dennoch gilt, anderen Menschen mit Achtung zu begegnen, egal, was sie denken, glauben oder tun. Wir sollten nicht urteilen, bevor wir nachgefragt haben, bevor wir genau hingehört haben, bevor wir genug vom anderen verstehen.

Sebastian Krumbiegel, der Leadsänger der Popgruppe Die Prinzen, ist der diesjährige Schirmherr der Ökumenischen FriedensDekade. Sebastian Krumbiegel wurde im Juni 2003 im Leipziger Stadtpark selber von zwei Neonazis zusammengeschlagen. Nur die Tatsache, dass ihm jemand zu Hilfe kam, hat Schlimmeres verhindert.

Trotz dieser Erfahrung rechtsextremer Brutalität hat er in einem Interview auch gegenüber den Rechtsextremisten, den Neo-Nazis, zu einer solche Haltung der Achtung ermutigt, wenn er sagt: Das rechtsextremistische Gedankengut ist da, die Leute sind teilweise so drauf, und wie können wir die Leute verändern? Nur, indem wir versuchen, die Hülle, mit der sie sich selbst umgeben, aufzuknacken und da rein zu gucken und an den weichen Kern zu kommen und da ein bisschen zu streicheln und zu sagen: Hey überleg doch mal, ob das, was du so denkst, wirklich so richtig ist‘.

Andere achten – das ist für mich die Grundvoraussetzung, miteinander ins Gespräch zu kommen. … Kein Mensch wird mit der Intention geboren, Böses zu tun.

Jeder Mensch wird in irgendeiner Weise dazu gemacht und durch seine Umwelt dazu geprägt und man kann nur als einer, der in dieser Umwelt lebt, den Menschen ändern, indem man mit ihm redet und man kann nur mit ihm reden, indem man ihn achtet.“

Andere achten – in Demut. Wie kann das aussehen?

Dazu zum Schluss eine jüdische Geschichte:

Ein weiser Rabbi stellte seinen Schülern einmal die folgende Frage: „Wie bestimmt man die Stunde, in der die Nacht endet und der Tag beginnt?“ Einer der Schüler antwortete: „Vielleicht ist es der Moment, in dem man einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann?“

Der Rabbi schüttelt den Kopf. „Oder vielleicht dann, wenn man von weitem einen Dattel- von einem Fei­genbaum unterscheiden kann?“

Der Rabbi schüttelt wieder den Kopf. „Aber wann ist es dann?“

Der Rabbi antwortete: „Es ist dann, wenn Ihr in das Gesicht eines beliebigen Menschen schaut und dort Eure Schwester oder Euren Bruder erkennt. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.“

Andere achten – in Demut!

„Demut ist der Mut… mit Gott zu rechnen“

Demut gegenüber unseren Mitmenschen:

Christliche Demut – richtig verstanden – steht für gelassene Bescheidenheit, die auch anderen etwas zugesteht. Sprachgeschichtlich kommt das Wort Demut wohl aus einer Kombination von „dienen und Mut“.

Somit ist jemand mutig, der sich einsetzt für andere, auch wenn es keinen Lohn bringt. Demütig sein heißt, menschlich werden und menschlich handeln. Demut ist so das Gegenteil von Neid und einer „Ich-Zuerst-Mentalität“.

Im Prinzip versuchen wir das Konzept von Demut vor Gott auch in unseren Gottesdiensten zu leben. Im Gottesdienst und am Abendmahlstisch sind alle gleich. Da steht der Chefarzt neben der alleinerziehenden Mutter, die Gesunde neben dem Behinderten, der Alte neben der Jungen. Das ist gelebte Demut.

Demütig sein gegenüber Gott:

Gott ist Gott.

Ich bin es – Gott sei Dank! – nicht.

Demütig zu sein, bedeutet anzuerkennen, dass ich auf Gott angewiesen bin – auf das Wort, das mir überliefert ist, auf die Gnade, die mir geschenkt wird, auf die Gaben des Lebens.

In Demut – andere achten!

Andere sehen – andere wahr-nehmen – andere achten!

Möge uns das gelingen … mit Gottes Hilfe. Amen.



Befreit – zu 1 Kor 1,4-9 BigS

Befreit

Dankbar sein

Betend

Gnädig und beschenkt

Reich und begabt

Messianisch-stark

Fehler-frei-fähig

Befreit

Offenbar und vollendet

Fest, ganz befestigt

Befreit

Unschuldig, ohne Anklage

Treu und gemeinsam

Gemeinschaftlich

Befreit

Und

Gerufen

Durch Christus

In Christus

In der Nachfolge

befreit …

befreit!

 

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