Feuriger Pfingstbrief

„Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und auf jede und jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Da wurden sie alle von heiliger Geistkraft erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden; wie die Geistkraft es ihnen eingab, redeten sie frei heraus.“ (Apg 2,3-4 BigS)

„Einer hat uns angesteckt mit der Flamme der Liebe! Einer hat uns aufgeweckt – und das Feuer scheint hell.“ So singt es in mir. Feuriges Lied aus meiner Jugend. Gehört, gelernt und gesungen auf dem Kirchentag in Nürnberg 1977. Pfingstlich rot. Voll Liebe. Voll entflammt. Voll heiliger Geistkraft. Atem Gottes. Atem des Lebens. Ruach, Gottes Geist, der über der Welt liegt vom Anbeginn der Schöpfung bis auf den heutigen Tag.

Genauso feurig diese alten Choralzeilen: „O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.“ Jedes Jahr gesungen – an Pfingsten und bei der Konfirmation, unmittelbar vor der Segnung. Ja, komm, heilige Geistkraft! Brenne in uns, atme in uns!

„Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und auf jede und jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Da wurden sie alle von heiliger Geistkraft erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden; wie die Geistkraft es ihnen eingab, redeten sie frei heraus.“ Frauen und Männer spüren Feuer-Zungen. Werden lichterloh entflammt. Das Feuer steckt an, es brennt – immer mehr. Sie verstehen einander. Sehen mit dem Herzen. Reden frei und ungeschützt. Vertrauen blüht auf. Blicken einander an, voll Liebe.

Wieder singt es in mir: „Einer hat uns angesteckt mit der Flamme der Liebe! Einer hat uns aufgeweckt und das Feuer brennt hell. Wer sich selbst verliert, wird das Leben finden, wer die Freiheit spürt, kann sich selber finden.“ Den Traurigen, Zweifelnden, Verzweifelten gilt die Verheißung, das Reich der von-Gott-geschenkten-Freiheit, von
Geburt an.

„Einer hat uns angesteckt mit der Flamme der Liebe! Einer hat uns aufgeweckt und das Feuer brennt hell. Wer die Armut spürt, wird im Reichtum leben, wer von Herzen brennt, kann sich andern geben.“ Den Armen, Schwachen, Kleinen gilt die Verheißung, das Reich des Einander-Liebe-Schenkens, einfach so.

„Einer hat uns angesteckt mit der Flamme der Liebe! Einer hat uns aufgeweckt und das Feuer brennt hell. Wer betroffen ist, wird das Wort neu sagen, wer sich selbst vergisst, kann auch Lasten tragen.“ Den Anteilnehmenden, Mitfühlenden, Mitleidenden gilt die Verheißung, das Reich des Miteinander-Teilens, ohne Falsch.

„Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und auf jede und jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Da wurden sie alle von heiliger Geistkraft erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden; wie die Geistkraft es ihnen eingab, redeten sie frei heraus.“

Heilige Geistkraft. Atem Gottes, Atem des Lebens. Oder auch biblisch, hebräisch: Ruach, Gottes Geist, Gottes Atem, der über der Welt liegt, vom Anbeginn der Schöpfung bis auf den heutigen Tag. So, wie dies Lied in mir singt: „Gott gab uns Atem, damit wir leben.“ Und manchmal singt feurig und pfingstlich: „Gott gab uns Atem, damit wir lieben.“

Wie damals ist unsere Bitte heute: Komm, Ruach, heilige Geistkraft, Feuer vom Himmel, entflammende Kraft. Befeuere unsere Müdigkeit, entzünde unsere Herzen, lass uns brennen, mit der Flamme der Liebe. Flammen-Kraft, bring Licht und Leben, in die Welt. Gib uns Atem, damit wir lieben:

Die Liebe schweigt, hört den Bedrängten zu.
Die Liebe wird laut, protestiert gegen Unrecht und Zwang..
Die Liebe hört nicht auf zu fragen, auch wenn es wehtut.
Die Liebe ist offen für die Erfahrungen der andern.
Die Liebe hat ein weites Herz.

Die Liebe erkennt, was Menschen trennt.
Die Liebe entlarvt die falschen Unterschiede, von Mächtigen ausgedacht.
Die Liebe freut sich, wenn die Stimmen der Leisen lauter werden.
Die Liebe fordert nichts, was sie selbst nicht befolgt.
Die Liebe hat ein weites Herz.

Die Liebe ist sich ihrer Blickrichtung bewusst.
Die Liebe entschuldigt sich. Von selbst.
Die Liebe ist unbequem. Eckt auch mal an.
Die Liebe brennt auch mal vor Ungeduld.
Die Liebe hat ein weites Herz.

Die Liebe höret nimmer auf.

„… was durch den Propheten Joel gesagt ist: Sein wird’s in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich von meiner Geistkraft ausgießen auf alle Welt, dass eure Söhne und eure Töchter prophetisch reden, eure jungen Leute Visionen schauen und eure Alten Träume träumen.“ (Apg 2,16-17 BigS)