Warten und Wünschen

Noch warten wir. Advent ist, Zeit der Ankunft. Zeit der Erwartung. Gott schenkt mir und uns den Sohn. Ein Geschenk, etwas Schönes. Nicht zum Richten, sondern zum Retten. Ein Geschenk für Sie und mich, für die ganze Welt. Ein Weihnachtsgeschenk.

Noch warten wir. Warten gemeinsam, Sie und ich. Warten. Worauf? Ich warte auf Antworten. Warte auf die Rettung, von der Jesus spricht. Dass die Welt sich ändert, dass sie schöner und besser wird. Warte auf Weihnachten. Warte, bis die Erfüllung kommt, bis das Geschenk sich durchsetzt, bis alles anders sein wird. Bis die Welt so ist, wie Gott sie gemeint hat. Bis ich so bin, wie Gott mich gemacht hat. Und gedacht hat.

Noch warten wir. Gemeinsam. Und in all diesem Warten schon nehme ich das Geschenk Gottes an. Im Halbdunkel, voller Zweifel, ob dieses Geschenk jemals die Welt gründlich ändern wird. Voller Sehnsucht danach, dass es eines Tages doch so kommt. Voller Sehnsucht nach einer gerechten Welt. Ich warte und warte – im Halbdunkel. Voller Sehnsucht nach der gerechten Welt, von der Maria singt.

Noch warten wir. Schon im Warten kann ich sie spüren, Gottes neue Welt. Schon im Warten kommt das Geschenk Gottes an. Nehmen wir es an. Packen es aus. Schon im Warten verändert Gottes Geschenk unsere Welt. Darum schätze ich das Warten hoch. Keine leere Zeit. Warten ist Zeit, in der die Hoffnung lebt und die Sehnsucht. Warten ist Zeit, in der das Erwartete schon da ist, nur eben noch nicht ganz. Ganz ähnlich ist es mit Gottes Geschenk, mit Gottes Weihnachtsgeschenk namens „Sohn“ oder „Jesus“ oder „Kind in der Krippe“: schon im Warten ist es da.

Bald hat das Warten ein Ende. Das Geschenk ist angekommen. Wie im vorigen Jahr und in den Jahren davor auch. Gottes Geschenk ist schon da, eben nur noch nicht ganz. Es ist da und gleichzeitig warte ich alle Jahre wieder darauf. Das feiern wir im Advent, im Warten. Und jubelnd an Weihnachten, im Wunder der Geburt. Gott wird Mensch. Ein kleines Kind. Kommt zur Welt wie jede und jeder von uns auf diese Welt kam. Aus dem Leib einer Frau. Die neun Monate darauf wartete.

Wir warten auch. Ich warte. Warte darauf, dass Gott sich zeigt, mitten unter uns. Warte darauf, dass Gott sich spüren lässt. Warte darauf, dass Gott mitten in unserer halbdunklen, undurchschaubaren Welt sichtbar wird. Und endlich! Das Licht geht auf in dunkler Nacht. Ja. Schon in meinem sehnsuchtsvollen Warten fällt Licht auf mich. Schon im Warten wird es Weihnachten, ändert sich die Welt. Schon im Warten fühlen sich die halbdunklen Worte gut an „Ein Kind ist uns geboren“, und entlasten. Machen mich frei.

Wann endet das Warten, wann ist es erfüllt? Im Aufreißen des Geschenkpapiers, im Anzünden der Lichter am Baum? Ich meine: schon das Warten ist Erfüllung. Schon im Warten scheint das Licht. Schon im Warten bin ich nicht mehr im Finstern. Schon im Warten bleibt die Hoffnung lebendig. Die große Hoffnung auf jene neue Welt, von der Maria singt. Die Welt, in der es den Armen und Unterdrückten gut geht. Die Welt, in der die Gerechtigkeit siegt. Die Welt, in der niemand mehr hungert. Die Welt, in der Friede herrscht. Im Warten schon ist sie da, diese Welt – nur noch nicht so ganz.

Halbdunkle, halbverstandene Worte halten die Hoffnung am Leben, halten das Licht angezündet in unsere Dunkelheit. So warten wir, ich und Sie. Vielleicht fragen Sie jetzt: das soll es schon gewesen sein? Warten? Ja, sage ich. Denn das ist gar nicht so leicht, im Warten die Hoffnung zu halten. Das ist gar nicht so einfach, im Warten die Sehnsucht zu spüren. Wenn die Wünsche, die Weihnachtswünsche schon im Herzen singen.

Und so wünsche ich voll Sehnsucht: einen Duft, der durch die Zeiten weht. Einen Himmel, der über uns offen steht. Ein Lied, das noch lange in uns erklingt. Einen Menschen, der mit mir von Freude singt. Ein Licht, das goldenen Glanz verbreitet. Einen Stern, der uns durch das Dunkle leitet. Und auf all unsern Wegen einen Engel, der uns begleitet.