Drewermann: Wir erwarten von den Ärzten, dass sie Gott ersetzen

Der Kirchenkritiker über Corona und eine App, über Glauben und Sterblichkeit

Der Kirchenkritiker Eugen Drewermann sieht auch im Schwinden religiösen Glaubens eine Ursache für die Ängste in der Corona-Krise.

„Wir können mit der simplen Tatsache, sterblich zu sein, nicht wirklich leben“, sagte der katholische Theologe in Paderborn dem epd.

„Wer nur das Leben ohne eine religiöse Vision kenne, dem bleibe als Hoffnung einzig die Verlängerung des irdischen Lebens um jeden Preis, sagte Drewermann.

„Wir bauen an einer Gesellschaft, in der der vollkommene Ausfall einer religiösen Sinnfindung dahin treibt, die Endlichkeit unseres Daseins nicht aushalten zu können“, erklärte der Buchautor und Theologe, der am 20. Juni 80 Jahre alt wird.

Die natürliche Tatsache der Sterblichkeit erscheine „als ein Skandal, gegen den wir die vermeintliche Allmacht und das Allwissen der Gesellschaft setzen müssen“, sagte Drewermann.

„Wir erwarten von den Ärzten, dass sie Gott ersetzen – als wenn sie allmächtig wären.“ Ein solcher Anspruch überfordere jedoch auch die Ärzte.

„Wir sollten also lernen, auf Gott zu vertrauen, in dessen Händen unser Leben liegt, um uns nicht selber mit gottähnlichen Ansprüchen zu überfordern“, rät Drewermann.

… Die Naturwissenschaft … habe jedoch keine Antwort auf das, „was den Menschen ausmacht in seiner Angst, in seiner Verzweiflung, in seiner Sinnsuche“. Die Menschen benötigten jedoch eine Perspektive über die Endlichkeit hinaus, betonte Drewermann. „Deshalb brauchen wir Religion.“

Kritisch bewertet Drewermann Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wie die geplante Nachverfolgung von Kontakten über eine App. Es gebe bereits eine totale Kontrolle der Handys sowie eine digitale Gesichtserkennung, sagte er. Das Recht auf Privatsphäre werde seit Jahrzehnten schrittweise ausgehöhlt, etwa durch Vorratsdatenspeicherung oder Überwachungskameras. …

Quelle: Drewermann: Wir erwarten von den Ärzten, dass sie Gott ersetzen | evangelisch.de