Mohn

Bleib behütet!

Ja – richtig gelesen! Behütet bleiben! Davon will ich heute eigentlich schreiben. Denn dies andere, dies „Bleiben Sie gesund!“ oder „Bleib gesund!“, das hören wir in letzter Zeit viel öfter als sonst schon.

„Bleib gesund!“ Das hören meine Ohren erst mal als Aufforderung: nun streng dich mal ordentlich an, bleib gesund! Wie viele andere Menschen bin auch ich schon lange nicht mehr richtig gesund. Für uns mit den chronische Krankheiten, mit denen wir leben müssen, hört sich das seltsam an: „Bleib gesund!“ Wie denn bloß?


„Bleib gesund!“ Ach so, nicht akut erkranken. Nicht noch eine Diagnose. Na gut. Aber liegt das überhaupt in meinen Händen? Kann ich dem wirklich gehorchen, diesem Auftrag „bleib gesund!“? Muss ich mich nur ordentlich anstrengen? Und dann bleibe ich einfach gesund?

„Bleib gesund!“ In letzter Zeit wird das reichlich oft gesagt. Mit dem Unterton „Krieg bloß nicht diese Krankheit! Steck dich bloß nicht an!“ Mmmmh. Also, für mich klingt das fast wie „bleib zuhause“, „schließ dich ein“, „pass bloß auf!“ Als gäbe es keine andere Krankheiten mehr. Oder anderes, was mir besser auch nicht passiert!


„Bleib gesund!“ Je länger ich drüber nachdenke, so scheint es mir jetzt: das ist wohl doch ganz anders gemeint. Das ist ein Segenswunsch, so wie „Viel Glück!“ „Bleib gesund“, das meint, ich wünsche Dir, dass Du nicht krank wirst, dass Du so gesund bleibst, wie Du bist. „Bleib gesund!“, ein Segenswunsch. Gerne gesagt beim Verabschieden, beim Auseinandergehen.


„Bleib gesund!“ als Segenswunsch. Ja, so kann ich das gut hören. „Viel Glück und viel Segen“ singen wir gern an Geburtstagen. Als Christin glaube ich: Gott segnet und behütet mich. Von meinem ersten Atemzug an bis zu meinem letzten. Darum wünsche ich meinen Lieben und meinen Mitmenschen gern:


„Bleib behütet!“ oder „Bleiben Sie behütet!“ Jeden Tag empfange ich Gottes Segen. Ich habe Brot zu essen und Kleider anzuziehen. Und eine Wohnung. Und eine Arbeit auch. Und Kinder habe ich geschenkt bekommen. Und einen lieben Mann. Was soll ich noch aufzählen?

„Bleib behütet!“ Zeichen von Gottes Segen gibt es jeden Tag. Ohne Bedingungen. Gott schenkt uns Leben in Fülle. Und gerade die Menschen, denen es nicht so gut geht, bei denen das Überlebensnotwendige knapp ist, die wissen genau: Sie verdanken ihr Leben und alles Gute darin Gott, Gottes Segen.

„Bleib behütet!“ Am Ende jedes Gottesdienstes empfangen wir den Segen. Und leben so aus dem Wissen heraus: Ja, ich bin angewiesen darauf, dass Gott bei mir ist. Dass Gott mich segnet. Und behütet. Und mir immer wieder einen neuen Anfang schenkt. Gott segnet mich und behütet mich. Gott lässt sein Angesicht leuchten über mir und ist mir gnädig.

„Bleib behütet!“ Gottes Segen bringt Klarheit in mein Leben. Nicht alles ist schön, was ich in diesem Licht sehe. Ich erkenne meine Fehler, beginne zu verstehen, was ich ändern muss. Gott beleuchtet mein Leben mit einem gnädigen Licht. Schaut zärtlich auf mein Tun und Lassen. Vergibt mir, wo ich fehle. Gott ist gnädig.

„Bleib behütet!“ Gottes Segen legt mir den Glauben ins Herz. Immer wieder. Und der Frieden kommt mir nah. Gott hebt sein Angesicht über mich und gibt mir Frieden. Legt seinen Geist über mich. Und ich sehe die Welt mit Gottes Augen. Halte es aus, schaue nicht weg. Weil mir Gott seinen Frieden ins Herz legt. Seinen Traum von einer gerechten Welt, in der alle Menschen in Würde leben können.

„Bleib behütet!“ Jeden Sonntag schickt uns der Segen Gottes in die neue Woche. Den Segen sollen wir in der Welt ausbreiten. Alles ist da, was wir brauchen, um die Welt zu erneuern. Mit Gutem sind wir beschenkt. Und von Gott behütet. Unser Leben leuchtet unter Gottes Klarheit und Gnade. Gottes Frieden für unsere Welt. „Bleibt behütet!“

Allium