Bleiben wir verbunden!

Viele Aufrufe gibt es und Initiativen zu gemeinsamen Tun. Glockenläuten zu bestimmten Uhrzeiten. Eine Kerze ins Fenster stellen. Stille werden zum Gebet. Sich verbinden. Untereinander und miteinander.

Mittags um halb eins in der Krankenhauskapelle. Ich unterbreche mein Tun. Höre auf den Glockenschlag von St. Georg. Mein Kopf und mein Herz sind voll. So vieles ist jetzt anders, so vieles muss neu bedacht werden. Was noch geht in der Seelsorge und was nicht. In Verbindung bleiben. Mit den Pflegenden. Mit den Patienten. Mit den Angehörigen.

Die Kamera läuft. Die Pforte hat den Hauskanal auf Sendung geschaltet. Die Patienten in den Krankenzimmern können am Bildschirm mitbeten. Ich versuche zur Ruhe zu kommen. Einatmen … ausatmen … alles lassen. Ruhig werden vor Gott. Mich verbinden mit Gott. Beten. Guter Gott, bete ich, ich bin hier. Und Du bist hier. Ich bete zu Dir. Und weiß: ich bin verbunden. Mit Dir. Mit anderen, die zu Dir beten. Genau jetzt. Genau so. Ich bin hier. Und du bist hier. Das genügt. Und ich bringe Dir alles, was ist.

Und nach einem Moment der Stille ende ich: Gott, höre mein Gebet. Amen. Ich singe ein Lied zur Gitarre: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.“
Und dann bete ich mit einem Psalm aus der Bibel weiter. Und sage ein Trostwort. Gott sagt: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jes 66,13).

Nach einer weiteren Stille bete ich weiter: Lass dir erzählen, Gott, wie es uns geht. In diesen Tagen. Wo alles so anders ist. So durcheinander. Wo die Sonne lacht und wir die Freude vergessen. Wo die Natur neues Leben hervorbringt und wir in Ängsten sind. Tröste uns, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht. Den Alten in den Pflegeheimen, die wir nicht mehr besuchen dürfen wie sonst. Und den Kranken, die meist ohne ihre Lieben in den Krankenhäusern sind. Allen Menschen, die in ihren Wohnungen bleiben müssen und die Einsamkeit fürchten. Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht. Den Kindern, die die Sorge der Erwachsenen spüren. Den Jugendlichen, für die Ruhe halten so schwer ist. Den Eltern, die jetzt so viele Lösungen finden müssen. Allen Menschen, die um ihre Existenz fürchten. Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht. Den Menschen, die sowieso schon am Ende ihrer Kräfte sind. In den Flüchtlingslagern in Griechenland und anderswo. In den griechisch-türkischen Grenzgebieten. Und lass dir erzählen von den vielen Menschen, dort und hier, die helfen und nicht müde werden. Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Gott, schütte sanft deinen Trost über uns aus. Der uns umhüllt. Und Segen dazu. Der uns immun macht gegen die Panik. Sage zu unserem ängstlichen Herzen: „Beruhige dich.“ Sprich zu unserer verzagten Seele: „Ja, die Gefahr ist da. Aber ich bin bei dir.“ Und noch dazu und allem zum Trotz: Gib uns die Freude wieder. An der Sonne. An der aufbrechenden Natur. An den Menschen, die wir lieben. An dir, du Gott des Lebens. Damit wir mutig durch diese Zeit gehen.