Ratten sind die Vorboten der Katastrophe

Der Grundwasserspiegel sinkt.
Die Gräben sind leer bis ausgetrocknet und stinken.
Der Erdboden ausgezehrt bis auf 150 cm Tiefe.
Bäume werfen im August schon ihre Blätter ab.
Der Bauer geht durchs Getreidefeld. Es kitzelt ihn in den Kniekehlen mit halbvollen Ähren. Früher war es die Hüfte mit reicher Ernte.
Blumen blühen im Rekordtempo, damit sie überhaupt noch eine Chance auf Bestäubung haben.
Kleinnager, Amphibien, Insekten und Vögel verdursten.
Die Ratten kommen auf der Suche nach Wasser ans Licht.

Wenn ich mir die Statistik allein dieses Jahres für Bremen anschaue wundert es mich nicht …
Gelegentlich hat es geregnet. Aber nicht überall gleichermaßen. Auch Bremen ist ein Flächenstaat.
Selbst die sogenannten „Ausreißer“ nach oben erreichen noch nicht einmal 20 mm.
20 mm Regen pro 24 Stunden! Das sind nicht: das Wasser steht 2 cm hoch. Über 24 Stunden verteilt ist das Nichts. Niente. Nada.
Dazu kommt noch die Verdunstung durch Sonne und Wind.
Barfuß am Morgen durch regenfeuchtes Gras laufen war mir dieses Jahr noch nicht wirklich möglich.

Vor 20 Jahren hat mensch Orte in Spanien oder Italien belächelt, die im Sommer das Trinkwasser rationierten. Als Tourist ist mensch dann da nicht mehr hingefahren.
Nun holt uns alles ein. Weil vor 20 Jahren diese „grünen Spinner der Umweltaktivisten“ doch alles viel zu schwarz gesehen haben. Die Wissenschaftler hatten ja auch „nur ein evtl. Szenario“ beschrieben. Wer kann schon in die Zukunft sehen?

Schwarze und verbrannte Erde …

– Fahrt übers Land mit den Diesel-SUVs (denn in der Stadt braucht mensch die doch nicht, oder? Ich kenne keine deutsche Stadt, die noch Schotterpisten auf der Straße hat … und bis zum Kindergarten, zur Schule oder dem Discounter ist mir bisher noch kein unwegsames Gelände begegnet),

– macht billige Flugreisen und Kreuzfahrten mit euren Kindern in die wenigen grünen Oasen der Welt, die es heute noch gibt. Last Call! Die Kinder werden’s noch erleben aber für die Enkel ist es leider vorbei. „Aber ich muss doch meinem Kind etwas bieten! Es muss doch mithalten können!“

Was für ein armer Mensch bin ich eigentlich mit meinen 52 Jahren mittlerweile, dass meine Eltern mit mir damals in meiner Kindheit „nur“ an die Nordsee gefahren sind? Teilweise sogar „nur“ Jugendherberge? Ohne Animation, Bespassungsprogramm, tägliche Ausflüge und All-Inklusive?

Ich bin ehrlicherweise reich geworden, weil meine Eltern Zeit für mich hatten und sich mit mir beschäftigt haben. Weil sie sich selbst Gedanken gemacht haben. Und weil eine Sandburg am Nordseestrand einen ganzen Tag lang unheimlich wertvoll war, selbst als der Regen fiel.

Eines nicht mehr fernen Tages werden die heutigen Kinder fragen: „Warum habt ihr uns nicht Zukunft angeboten? Warum mussten wir nach Neuseeland und Australien und die Bahamas und Dubai?“

– Wenn es Zuhause schöner wäre, müsste mensch ja nicht soweit wegfahren, oder? Aber Zuhause ist ja schon so verdreckt und zugebaut … und ich fahre ja auch nur wegen der schönen Umgebung und des Wetters … die schöne Umgebung in der Ferne wird vom steigenden Meeresspiegel untergehen und der Klimawandel bringt das trockene Wetter schon jetzt zu uns. Ökologisch wandern Pflanzen- und Tierarten aus dem Mittelmeer in unsere Gefilde ein. Scheinbar sind die schlauer als wir.

– Kauft Obst und Gemüse in Plastikverpackungen und -tüten. Und Snacks hier und dort in Kleinstpackungen und alles „To Go“. Was schert mich der Müll in öffentlichen Abfallbehältern?

– Frühere Kinderroller werden mit Akku ausgestattet und als die angeblich moderne Mobilität angepriesen, von den E-Bikes ganz zu schweigen. Der hochgiftige Berg ausrangierter Akkus wächst zwar von Tag zu Tag, aber den sehe ich ja nicht. Sie werden doch verschifft und irgendwo in dieser Einen-Dritten-Welt abgelagert (aber bitte nicht am Hotelstrand in Fernost!).

Und was interessieren mich die Bedingungen, unter denen die Komponenten der Akkus abgebaut und produziert werden? (Ich empfehle dazu dringend die Rede vom Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege aus dem Kongo
( https://youtu.be/wCnyEKlIGa8 ) Da kann mensch spätestens lernen, was Verantwortung ist.

Nein, und die Mehrzahl der Akkus wird nicht recycled, weil es aus europäischer Sicht viel zu unwirtschaftlich ist. Da kommt dann wieder die Ökonomie von „immer mehr Wachstum“ ins Spiel. auf welche und wessen Kosten? Och, Menschen fliehen, weil sie europäisch ausgebeutet werden? Komisch! Kann ich gar nicht verstehen.

– der derzeitige Hype um bienenfreundliche Gärten ist richtig und gut und viel zu spät, sicher. Bei mir brummt und summt es, hurra. Ich mache mit, unter Einsatz von viel Wasser. Nachbarn setzen mittlerweile auf mediterrane Steingärten mit viel Rindenmulch, Steinen und Kies. Haben sie vielleicht doch recht, weil ich in den nächsten Jahren meinen grünen Rasen mit Klee als nicht mehr finanzierbaren Luxus begraben muss?

Die Stauden werden irgendwann zu mediterranen Pflanzen, Gehölzen und Kakteen? Klar, das ist dann Urlaub vor der Haustür, wenn die Oliven und Feigen in Bremen wachsen. Der Trend geht ja in die Richtung. Dumm nur, dass kein Insekt mehr fliegt.

Zurück:
Es gab Zeiten, da sagte mensch: in Bremen regnet es immer. Da fahren wir nicht hin.
Nun gibt es Zeiten, da sagen Menschen: es gibt keinen Klimawandel. Und wenn doch, ist er nicht so wichtig. Da machen wir nicht mit. Standard ist Standard und davon weiche ich nicht ab. Standard ist Leben auf Kosten anderer.

Wenn das so weitergeht: Gott bewahre!

Es ist dringend Zeit umzudenken. Radikal. Das sage ich ganz deutlich. Radikal.
Es ist nicht 5 vor Zwölf sondern mittlerweile Viertel nach Eins.
Auf allen Gebieten: Energie. Mobilität. Reisen. Landwirtschaft. Plastik. Kosmetik. Der tägliche Luxus.

Ich kann’s mir leisten also mache ich. Ich nenne es nicht Ausbeutung, ich nenne es Bezahlung. Ich diktiere doch nicht die Preise!
Doch! Genau Du! Ich!
Die Reihe lässt sich beliebig fortsetzen. Es ist auch nicht: erstmal sollen die „Großen“ etwas verändern. Nein, von unten wird die Welt verändert.

Schon zu meiner Abiturzeit – das ist nun über 30 Jahre her, erklärte mir mein damaliger Geoleistungskurs-Lehrer: „Zukünftige Kriege – sollte es sie geben – werden nicht wegen der Bodenschätze geführt. Schon heute (! damals) weiß der Mensch, dass das Erdöl endlich ist. Glaubt mir, auch wenn ihr heute noch keine Vorstellung davon habt: Es wird ums Wasser gehen.“ Ich habe die große Befürchtung, dass er damals Recht hatte.

Die zweite Grafik zeigt übrigens das gesamte vergangene Jahr 2018 für Bremen. Die macht das ganze Dilemma nur eigentlich nur schlimmer …

Fangt an. Geht erste kleine Schritte. Es ist nicht schwer. Es tut noch nicht mal weh. Es ist nur: überwindet die Bequemlichkeit und fangt an, nachzudenken. Über euch. Über Kinder und Enkel. Über Zukunft.
Spaßgesellschaft ist Gegenwartsgesellschaft ohne Weitblick.
Leben macht Spaß. Leben ohne Zukunft aber nicht. Jeder Mensch muss Verantwortung übernehmen.

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