Silke von in-lauter-Trauer lädt ein zur Blogaktion „Alle reden über Trauer“.
Ich habe mich ganz persönlich erinnert in meinem Beitrag.

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Alle reden über Trauer

Alle reden über Trauer –

schön wär’s, gut wär’s, gesund wär’s auch!

Also: reden wir über Trauer!
Rede ich über Trauer!

Der Anlass für meine erste Trauer war die Geburt meines zweiten Bruders, als ich fast 6 Jahre alt war.

Mein Vater sagte, ich sei untröstlich gewesen, hätte so zwei Stunden lang geweint, mich einfach nicht beruhigen lassen …

Bald waren wir dann alle sehr traurig.

Denn mein Bruder war eben nicht nur ein Junge (was mich erst Mal so traurig machte – ich hatte mir sooooo eine kleine Schwester gewünscht), sondern auch schwer krank.

Eine unheilbare Blutkrankheit, extrem selten, geringe Chancen am Leben zu bleiben.
Meine Eltern suchten ihre Trauer zu verbergen,

zeigten sie auch nie offen vor mir und meinem Bruder.

Aber sie war da, ihre Trauer.

Auch wenn wir ihre Tränen nicht sahen.

Wir spürten die Traurigkeit.

Und für uns, für mich blieb nur wenig Kraft, wenig Energie, wenig Zuwendung übrig.

Besser wurde es erst, als er nach einem guten Jahr aus der Uniklinik zu uns kam.

Ein schwer traumatisierter kleiner Junge nach solch langer Zeit in vielen fremden Händen.

Die Trauer, die Sorge, die Niedergeschlagenheit begleiteten uns viele, viele Jahre.

Sie wurden allmählich schwächer, aber blieben doch da, neblig im Hintergrund, irgendwie beängstigend, einsam machend.

 

Trauer gehört seither zu meinem Leben.
Immer wieder.

Abschiede für immer

Verlassen werden

Im Stich gelassen werden

Reingelegt werden

Allein gelassen werden

 

All die vielen Menschen, die ich beerdigte und noch beerdigen werde

Das kann ich gut

Die Trauernden sagen mir: das war schön.

Das tut mir gut, bestärkt mich in meinem Tun.

 

All die Patient*innen, die ich bis zuletzt begleite, bis zum letzten Seufzer, Atemzug

Kann ich auch gut, auch die Angehörigen begleiten und stützen

Meine Katzen, die vor mir gingen, oder gehen mussten wegen schwerer Krankheit

Kleine Katzenengel sind sie nun

Immer wieder

nahezu täglich

denke ich an Muck, Mäxchen, Muck und Murrli,

an Noam, Arabella, Mikesch und Minusch.

 

Wichtige Menschen, geliebte Menschen, die gehen, sterben, nicht mehr sind, die ich zu Grabe trage

Mein Opa, Meine Oma, eine gute Freundin, mein Vater …

Fast jeden Tag spreche ich so zwischendurch ein paar Sätze mit dem einen oder der anderen von ihnen, stelle ihnen sogar noch Fragen, imaginiere ihre leisen  Antworten,

höre Opa sagen, sehe Oma Heu machen, erlebe die Freundin in dichten Gesprächen, spüre wie mein Vater mich begleitet …

 

 

Also gut:
habe ich ein bisschen über meine Trauer erzählt.

All meine Verlorenen,

all meine Toten

all meine Lieben

sind um mich, umgeben mich, begleiten mich, stärken und schützen und helfen mir … leben.

 

 

Lebe ich weiter mit meiner Trauer!

Und ich erlebe auch so

Tag für Tag

immer wieder

soo schöne, bunte Steine des Glücks.