Jung und alt

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Älter bin ich nie geworden. Nur faltiger. Na ja, etwas reifer auch. Erwachsen, aber nicht alt – das trifft es wohl am besten.

Irgendetwas in mir ist immer Kind geblieben – albern, verrückt, tollpatschig, unangepasst. Hin und wieder finde ich das ganz schrecklich, aber eigentlich mag ich das an mir.

Ich liebe es, auch mit jüngeren Menschen zusammen zu sein, bin offen für das, was sie denken über das Leben, über die Welt. Wenn man sich darauf wirklich einlässt, kann man ja gar nicht richtig alt werden, denke ich.

„Jüngere sollen Älteren Respekt zollen, weil sie älter sind.“ Mit so etwas kann ich ja gar nichts anfangen. Jeder soll jedem Respekt zollen. Aber niemand hat mehr recht, nur weil er älter ist.

Manche Menschen sagen mir, ich solle mich meinem Alter entsprechend benehmen und kleiden. Manchmal trifft mich das oder macht mich unsicher. Aber im Grunde weiß ich genau, dass ich mich einzig mir entsprechend benehmen und kleiden muss. Ich muss nur mir gefallen, mich wohlfühlen mit mir, in meiner Haut.

Wer mich mag, mag mich so, wie ich bin. Keiner muss sich für den anderen verbiegen. Niemand für mich und ich mich für niemand.

Heidi Laun, Stuttgart, 61 Jahre

 

QUELLE:  Jung und alt