Erwachen am Abend #frapalymo 10nov17 Nr. 2

Verbunden mit: Frau Paulchen und dem #Frapalymo, der Frau Paulchen ihr Lyrikmonat.

Der Impuls für den HEUTIGEN 10. November lautet also: „schreibt ein erasure/blackout gedicht zu goethes abendsonne“. der text steht hier GANZ UNTEN am ENDE in seiner vollen länge und in der von mir hier gefundenen schreibweise.

Nun gleich noch eine zweite bessere Version 😉, denn beim 1. Versuch hatte ich die Aufgabe gar nicht richtig kapiert. Da hatte ich mit Worten und Satzstücken des Goethe-Gedicht „Abendsonne“ eines neues Gedicht kreiert.
Bei grossstadtpoetin fand ich spät die korrekte Anleitung für ein erasure-Gedicht:
ein erasure oder blackout gedicht. dazu
in einem bestehenden text (hier: von goethe nehmen) wörter
„wegradieren“ oder schwärzen, und nur stehen lassen, die wir für
einen neuen text brauchen. wir verändern weder reihenfolge noch
die wörter selbst (in einzahl, mehrzahl etc.), sondern arbeiten mit dem,
was goethe uns gibt und machen daraus unseren neuen text.
Grundlage: Goethes Gedicht: Abendsonne
https://www.literatpro.de/gedicht/220916/abendsonne

Erwachen am Abend

Abendsonne
Grünumgeben schimmern
Der Tag überlebt
Neues Leben
O Flügel
Im ew’gen Abendstrahl
Stille Welt
In goldene Ströme fließt
Das Meer
Erstaunte Augen
Die Göttin erwacht
Den Himmel über mir

Unter mir die Wellen.
Ein schöner Traum
Des Geistes Flügel
Jedem eingeboren
Gefühl hinauf und vorwärts
Im blauen Raum
Lied der Lerche
Der Adler schwebt
Der Kranich

Nach der Heimat strebt

 

Abendsonne von Johann Wolfgang von Goethe

Betrachtet, wie in Abendsonne-Glut
Die grünumgebenen Hütten schimmern!
Sie rückt und weicht, der Tag ist überlebt,
Dort eilt sie hin und fördert neues Leben.
O ! daß kein Flügel mich vom Boden hebt,
Ihr nach und immer nach zu streben!
Ich säh’ im ew’gen Abendstrahl
Die stille Welt zu meinen Füßen,
Entzündet alle Höhn, beruhigt jedes Tal,
Den Silberbach in goldene Ströme fließen.
Nicht hemmte dann den göttergleichen Lauf
Der wilde Berg mit allen seinen Schluchten;
Schon tut das Meer sich mit erwärmten Buchten
Vor den erstaunten Augen auf.
Doch scheint die Göttin endlich wegzusinken;
Allein der neue Trieb erwacht,
Ich eile fort, ihr ew’ges Licht zu trinken,
Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht,
Den Himmel über mir und unter mir die Wellen.
Ein schöner Traum, indessen sie entweicht!
Ach, zu des Geistes Flügeln wird so leicht
Kein körperlicher Flügel sich gesellen.
Doch ist es jedem eingeboren,
Daß sein Gefühl hinauf und vorwärts dringt,
Wenn über uns, im blauen Raum verloren,
Ihr schmetternd Lied die Lerche singt,
Wenn über schroffen Fichtenhöhen
Der Adler ausgebreitet schwebt
Und über Flächen, über Seen
Der Kranich nach der Heimat strebt.

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