Ein humorvoller Ratgeber!

Tipps fürs Schreiben mit Humor – Die 3 Prinzipien der Komik

Den Leser zum Lachen zu bringen ist eine hohe Kunst. Viele scheitern an ihr, einige glänzen. Woran liegt das? Was sind die Prinzipien der Komik? Erfahre, warum Humor für Blogger so wichtig ist und wie man mit Witz schreibt. Und woran es liegen kann, dass keiner lacht.

Wer sind deine liebsten Blogger? Wer gehört zu deinen Lieblingsautoren oder Schauspielern? Und was macht deinen besten Freund so besonders?

Meist sind es zwei Dinge: Er ist super informativ oder einfach nur witzig. Oder am besten: er ist beides.

Hier einige Gründe, warum du als Blogger oder Autor deinen Humor nutzen solltest:

  • Humor macht sympathisch
  • Ein Witz lockert den Text auf (besonders gern gesehen bei sehr zähen Themen)
  • Humor stellt eine emotionale Bindung zum Leser her
  • Am richtigen Ort kann ein Scherz Wunder bewirken
  • Die Persönlichkeit des Schreibers schimmert durch (was Leser mögen, weil sie so dem Schreiber „näher“ kommen)
  • Und zu guter letzt: Es macht einfach Spaß den Text zu lesen. Auch wenn er nicht informativ ist.

Mit humoristischem Schreiben kann man sich aber auch ziemlich blamieren und sich den eigenen Hintern versohlen.

Deshalb hier einige No-Gos (Das bloß nicht tu. Sonst fu, fu, fu):

  • Spott: Sich über andere lustig machen ist echt uncool. (Etwas anderes ist hingegen die Satire)
  • Witzeklau: Wenn du irgendwo einen coolen Spruch abpinselst, solltest du den Autor nennen.
  • Ausgelutschte Metaphern („Der Elefant im Porzelanladen“)

Wie immer gelten die 10 goldenen Regeln des Schreibens auch hier:

Schreiben, Schreiben, Schreiben, Schreiben, Schreiben, Schreiben, Schreiben, Schreiben, Schreiben und Schreiben.

Wenn du also merkst, dass deine Texte mehr Witz vertragen könnten, dann rate ich dir folgende drei Prinzipien auszuprobieren, die sich in jeden Text einbauen lassen und somit universell sind:

Hier die drei Prinzipien des Humors:

1) Ein Witz ist zu kurz

Ein Witz muss nicht kurz sein, sondern zu kurz. Er muss an der Stelle aufhören, wo der Leser sich den Rest denken kann. Und dieser Prozess des „Selbst-zu-Ende-denkens“ bringt den Leser zum Schmunzeln.

Denn oft gibt es zwei mögliche Enden. Das normale Ende und das absurde (witzige). Wenn wir einfach das witzige Ende erzählen, ist es nicht so witzig, wie wenn der Leser es sich selbst denkt.

Bei diesen Zu-Kurz-Witzen musst du einiges beachten:

  • Du musst das Hintergrundwissen deines Publikums kennen (wie viel können und werden sie selbst weiter denken)
  • Du musst sie an den Punkt richtig heranführen (vorher alles nötige nennen, aber nichts vorher verraten)

Ein Beispiele dieser Zu-Kurz-Witze:

Treffen sich zwei Männer in der DDR auf der Straße. Fragt der Eine: „Hey, wo hast du das Toilettenpapier her?“ Darauf der Andere: „Aus der Wäscherei.“

  • Die wichtigste Information hier ist: Es spielt in der DDR
  • Das nötige Hintergrundwissen: In der DDR mangelte es oft an Alltagsgegenständen wie Wurst, Käse und auch Toilettenpapier.
  • Weniger witzig wäre es, wenn der andere geantwortet hätte: „Ich habe es gewaschen und verwende es nun zum zweiten Mal.“ Das hätte alles erklärt. Und der Witz wäre nicht zu kurz.

2) Inkongruenz

Das zweite Prinzip des Humors ist die Inkongruenz. Klingt kompliziert, heißt aber eigentlich nur, dass zwei Dinge, die zusammen passen sollten, plötzlich nicht doch nicht zusammen passen.

(Manche kennen es vielleicht noch aus Mathe: „Ist das Dreieck kongruent zum anderen oder nicht?“)

Inkongruenz bringt uns zum Lachen, weil sie unerwartet ist. Der Leser erwartet, dass alles logisch und zusammenhängend ist. Er erwartet, dass alles passt.

Wenn dann etwas plötzlich aus der Reihe tanzt (übrigens kann aus der Reihe tanzen wirklich witzig sein), findet er es komisch und witzig.

Bei der Inkongruenz vergleicht man zwei Dinge oder wirft zwei Dinge in einen Topf, die nicht zusammengehören. Man vergleicht also absichtlich Äpfel mit Birnen.

Ein schönes Beispiel für Inkongruenz sind Dialoge, in denen beide aneinander vorbeireden:

Treffen sich ein Cowboy und ein Indianer…

Oder die typischen Wortverwechsler sind auch ein Beispiel von Inkongruenz: „Ein Ei ist in England ein Egg.“ „Aber ein Eck heißt doch Corner“ „Nein, Koner heißt Nobody.“ usw.

3) Inkonsequenz

Inkonsequent ist man, wenn man nicht die richtigen Schlüsse zieht. Wenn eine unerwartete Folge eintritt, ist dies inkonsequent.

Inkonsequenz ist die mangelnde Folgerichtigkeit, Widersprüchlichkeit des Handelns.

Es kommt dem Begriff unlogisch sehr nah. Der Protagonist des Textes zieht eine vollkommen falsche Schlussfolgerung, was die ganze Sache witzig (oder auch peinlich) macht.

Ein Beispiel von Inkonsequenz:

Arzt: „Der Patient wurde mit einer Schnittwunde am Zeigefinger eingeliefert. Leider hatte sich die Wunde schon infiziert. Wir hatten deshalb keine Wahl – wir mussten ihm die Eier abschneiden.“

Zugegeben ein etwas groteskes Beispiel. Aber hier ist die Entscheidung des Arztes inkonsequent und nicht nachvollziehbar.

  • Wieso muss man wegen einem Finger…ihr habt es verstanden, oder?

Die oberen drei Prinzipien lassen sich in jede Textform einbauen und sind immer anwendbar. Es sind Prinzipien.

Die Kunst des Autors liegt nun darin diese Prinzipien auf seinen Text zu übertragen.

Kleiner Bonus: Weitere Stilmittel für humorvolles Schreiben:

1) Sarkasmus

  • Vorsicht: Eignet sich nicht für jede Zielgruppe und kann leicht als Frechheit oder Grobheit aufgenommen werden.

2) Maßlose Übertreibung

  • „Mein Freund ist so arm. Er hat mehr Schulden als Griechenland.“
  • Nachteil: In der Vergangenheit oft überstrapaziert. Viele Leser sind dagegen bereits „immun“.
  • Vorteil: Mit einem richtig guten Vergleich kann man sich von der Masse der „maßlosen Übertreiber“ absetzen.

3) Ironie

  • Leider auch bereits zu ausgelutscht, um jemanden zum Lachen zu bringen.

WICHTIG: DIE FALLHÖHE

Wichtig ist es bei einem Witz, oder einem witzigen Text, eine Fallhöhe aufzubauen. Nicht zu verwechseln mit der Pointe. Die Pointe ist der auslösende Punkt des Witzes, an dem nun gelacht werden darf (soll).

Doch was ist, wenn keiner lacht?

Dann liegt es wohl daran, dass die Fallhöhe nicht hoch genug war. Denn den Text sollte man sich wie eine Rampe vorstellen. Der ganze Witz führt nach oben und wird immer steiler und steiler. Und dann: Bamm. Die Pointe.

Wenn die Rampe aber sehr flache war und der Leser schon gesehen hat, was jetzt kommt. Dann lacht der liebe Leser nicht.

Also: Versuche in deinen Texten die Fallhöhe zu erhöhen, wenn du merkst, dass niemand lacht. Oder wenn du selbstkritisch deine Texte lesen kannst, dann solltest du dies auch schnell merken: Wenn keine Fallhöhe da ist, ist der Witz einfach flach.

Und das sollte er nicht sein.

Also: Viel Erfolg beim humorvollem Schreiben.

Autor: Walter Epp

Quelle: Tipps fürs Schreiben mit Humor – Die 3 Prinzipien der Komik | Schreibsuchti