Sehr berührend und wahr … hoffentlich ist der Schmerz schon nicht mehr ganz so heftig …

F.Hodler, Die sterbende Augustine -  -

Die sterbende Augustine – Ferdinand Hodler (1853 – 1918)

Gnade …

Für meine geliebte Familie, in Gedenken an Martina. Tochter, Mutter, Schwester, Tante.

Langsam schreitet der Gesell,
seit dem ersten Atemzug.
Schwarz trägt er sein rauhes Fell
und es riecht schon nach Betrug.

Doch das Leben blendet uns,
gaukelt leichthin Ewigkeit.
Wir sind alle Hinz und Kunz
doch für jeden läuft die Zeit.

Irgendwann da tickt die Uhr,
zuerst leise, dann schallend laut.
Nur der Mensch ist eben stur,
hat das „Sein“ auf Sand gebaut.

Langsam geht der Herbst vorüber,
alle bunten Blätter wirft er ab.
Schneller werden Tage trüber,
dann erkennen wir das Grab.

„Viel zu früh“, rufen alle Lieben,
machen Mut, wo es nur geht.
Wo ist nur die Zeit geblieben?
Der Schatten vor der Türe steht.

Kein Licht trifft jetzt das Gesicht,
Abschied wabert durch die Köpfe.
Gesagt wird dieses freilich nicht,
leer sind nun die Lebenstöpfe.

Der Tod tritt jäh ans Bett heran,
und zuweilen öffnet er die Lade.
Sanft schlafen ein wir dann,
als allerletzte kleine Gnade.

Arno von Rosen, 05. September 2017

Quelle: Gnade …

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Deathbed – Carl Ludwig Jessen (1833-1917)